Warum Europäisch Kurzhaar?

Da die Zuchtbasis der Deutsch Langhaar noch relativ begrenzt ist und mit jeder Generation die genetische Vielfalt abnimmt, wird es bei der DLH auch in Zukunft nötig sein, geeignete Fremdrassen einzukreuzen. In Frage kommen alte, typisch europäische Rassen, von denen es eine recht überschaubare Zahl gibt. Einkreuzungen von Persern des klassischen Typs gab es bereits mehrere, ebenso von Britisch Langhaar. Jede dieser Rassen bringt neben erwünschten auch bei der DLH unerwünschte Merkmale in die Rasse ein. Deshalb ist es sinnvoll, Outcrosstiere in einem ausgewogenen Maß einzusetzen, so dass nicht einzelne Merkmal bestimmter Rassen überhand nehmen und das gesamte Bild der Rasse in eine bestimmte Richtung verändern. Unsere Wahl fiel deshalb auf die Europäisch Kurzhaar, deren Merkmal sich deutlich von denen der beiden verwandten Rassen Perser und Britisch Langhaar unterscheiden. Ein weiterer Aspekt war für uns, dass wir auf jeden Fall eine Katze einsetzen wollten, deren Vorfahren seit Generationen registriert und bekannt sind und somit auch die Anlagen gut abschätzbar sind. Neben dem Aufbau einer neuen Linie erhoffen wir uns dadurch eine Verbesserung der Kopfform. Warum wir ausgerechnet auf die EKH kamen und dafür einen realitv hohen Aufwand betrieben haben, soll im Folgenden dargestellt werden:

Die Europäisch Kurzhaar, die je nach Verein auch Keltisch Kurzhaar oder Europäer genannt wird, entspricht der ursprünglichen Form unserer Hauskatzen. In England wurden auch die dort heimischen Katzen als "Britsch Kurzhaar" bereits seit Ende des 19.Jahrhunderts gezüchtet. Schon auf der ersten Rassekatzenausstellung 1871 waren sie zu sehen.
Die gezielte Zucht der Hauskatzen begann in Deutschland wie die der Deutsch Langhaar in den 1930er Jahren. Hier entsprachen die Kurzhaartiger und Kurzhaarmarmor vom Aussehen her den heutigen Europäisch Kurzhaar. Die Kurzhaarkatzen ohne Muster wurden wie die Abessinier zu den Schlankformen gezählt und als eigene Rasse gezüchtet.
In einem Katzenbuch aus dem Jahr 1942 wird der Kurzhaartiger folgendermaßen beschrieben: "Sein gedrungener Körper steht fest auf stämmigen Beinen. Kopf und Schnauze sind breit, die Nase leicht gebogen unud die Stirn etwas vorgewölbt. Auch sein Schwanz erinnert etwas an den der Wildkatze; er ist verhältnismäßig kurz und buschiger als andere Katzenschwänze. " Weiter heißt es: "Alle Tiger sind große, kräftige Katzen, die ein Gewicht von 15 bis 20 Pfund erreichen können, allerdings an Größe der Wildkatze immer nachstehen." Diese Beschreibung entspricht weitgehend den heutigen Europäisch Kurzhaarkatzen.
An Fellfarben waren erlaubt sind Schwarz, Braun, Blau und Rot, alle auch mit Silber. Die Beschreibung der Kurzhaartiger unterscheidet sich also nicht wesentlich vom heutigen Standard.

Die folgenden Abbildungen stammen aus dem Buch "Unsere Katze" von Otto Fehringer (1942):





 

Nach dem 2.Weltkrieg wurde zuerst noch nicht zwischen Britisch und Europäisch Kurzhaar unterschieden. Die erste Anererkennung mit Formulierung eines Rassestandards in der gerade neu gegründeten Fife (Fédération Internationale Féline) fand 1949 statt. Durch Einkreuzungen von Persern wurde die Britisch Kurzhaar immer stämmiger und 1981 Jahre erhielt die Europäisch Kurzhaar schließlich einen eigenen Standard, der seitdem inhaltlich nicht verändert wurde. Bis dahin wurden BKH, American Shorthair und EKH miteinander vermischt. Bis Ende des 20.Jahrhunderts gab es auch in Deutschland EKH-Züchter, heutzutage wird diese schöne Rasse jedoch fast ausschließlich in Finnland, Schweden und Norwegen gezüchtet.

Der Standard beschreibt die EKH als eine mittelgroße bis große Katze, die robust und geschmeidig ist und sich, vom Standpunkt der Anatomie betrachtet, nicht von der europäischen Hauskatze unterscheidet. Sie soll frei sein von Merkmalen, die auf eine Einkreuzung anderer Rassen schließen lassen. Entsprechend sind als Fellfarben auch nur die ursprünglich bei der Hauskatze vorkommenden Farben erlaubt. Farben und Zeichnungen, die aus anderen Rassen stammen wie Point, Chocolate oder Cinnamon, die bei der Britisch Kurzhaar zugelassen sind, kommen bei der EKH nicht vor. Das heißt nicht, dass die EKH frei von Anlagen für diese Farben oder auch für Langhaar ist, aber es wird vermieden, solche Katzen miteinander zu verpaaren, weil die Nachkommen daraus nicht der Rasse entsprechen.
Das leicht rundlich wirkende Gesicht zeigt sanfte Konturen und soll etwas länger als breit sein. Wie bei der DLH soll das Profil leicht geschwungen sein und die Schnauze relativ kurz, allerdings nicht wie bei der Britisch Kurzhaar.
Da bis in die 80er Jahre BKH, American Shorthair und EKH miteinander vermischt wurden, haben die meisten EKH alle drei Rassen unter ihren Vorfahren.

Europäisch Kurzhaarkater:

IC Finnvedens Tokai

 



IC Finnvedens Tokai


Europäisch Kurzhaar Kätzin:

GIC Casimirrin Eulalia


GIC Casimirrin Eulalia

 

Anikis Mutter:


CH Eife's Go for Gin

Aufgrund übereinstimmender Merkmale ist die EKH als Outcrossrasse für die DLH geeignet.

Schwangart selbst schrieb schon vor rund 80 Jahren:
"Die Form des Kopfes, die der unseres Kurzhaartigers, etwa auch der bei unserer europäischen Wildkatze entspricht, müßte [...] schon mit Rücksicht auf ihr Normalgepräge unserem Langhaar [Anmerkung: Schwangart meint hier die DLH] erhalten bleiben. Tatsächlich wirkt sie ästhetisch überaus anziehend."

An anderer Stelle:
"Unser züchterisches Bestreben muß danach sein: Auf seiten der Perser-Rasse jenes englisch-französische Formi­deal zu erreichen, in eigenen erbfesten Stämmen jeder Färbungs- und Zeichnungsnuance, das am häufigsten jetzt schon der Blaue Perser [...] erfüllt. Auf seiten von Deutsch-Langhaar jenes hierzu gegensätzliche, in Einzelerschei­nungen unseres Materials vorgebildete Zuchtideal herauszuholen, das in den Hauptstücken der Form dem Kurzha­artiger und der Wildkatze Felis silvestris [...] sehr ähnlich ist."

Wir hoffen durch die Einkreuzung einer EKH in unsere Zucht die genetische Vielfalt zu erhöhen, aber auch bestimmte Merkmal der Europäisch Kurzhaar - hier vor allem bestimmte EIgenschaften des Kopfes - in unsere Zucht einfließen zu lassen. Aber erst einmal darf Aniki in Ruhe erwachsen werden und ob sich unser Vorhaben züchterisch so umsetzen lässt, wie wir uns das vorstellen, wird die Zukunft zeigen.